Warum unsere Kinder Musik brauchen

Wer ein Instrument lernt, kommt besser durchs Leben (Die Zeit, 20.03.2008). Die Macht der Musik - sie prägt uns von Geburt an, berührt uns im tiefsten Inneren und kann uns zu Höchstleistungen treiben. Es gibt wohl nur wenige Dinge, die uns auf so einfache Weise mit Glück erfüllen können, die derart präsent sind und einen so großen Einfluss auf unser Leben haben, wie Musik.

1. Musik macht Spaß.

Alles, was Ihrem Kind Spaß macht, sollte gefördert werden, denn es bereichert die Entwicklung der jungen Persönlichkeit. Fast alle Kinder empfinden eine Freunde dabei, Musik zu machen. Es tut der Seele der Kleinen gut, musikalisch frei zu variieren und Töne, Rhythmen oder Melodien selbst zu erzeugen. Musikhören ist die liebste Freizeitbeschäftigung der 12- bis 25-Jährigen, so steht es in der Shell-Studie (Jugend 2010: Die 16. Shell Jugendstudie), die die Interessen und das Wertebewusstsein junger Menschen untersucht. Sie ist Teil einer jeden Kultur und wird heutzutage sogar als Therapiemöglichkeit genutzt, weil herausgefunden wurde, dass sie unsere Gefühle beeinflusst und sich auf unsere Psyche auswirkt.

2. Musik hat eine beruhigende Wirkung.

Kinder, die selber musizieren, lernen das eigene Tun und Können einzuschätzen, aber auch ihre eigenen Bedürfnisse und Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken. Sie lernen sich selber kennen, was für eine Persönlichkeitsentwicklung unbedingt notwendig ist. Musik kann Trost spenden, Mut geben und auch innere Spannungen und Aggressionen abbauen. Deshalb ist ein Instrument zu erlernen, auch eine großartige Möglichkeit für Kinder und Erwachsene sich in unserer stressgeplagten Gesellschaft noch einmal neu zu entdecken. Musik machen kann Stress abbauen. Gewalt und Aggressionen unter Kindern und Jugendlichen werden durch Musikerziehung deutlich vermindert.

3. Musik fördert die Wahrnehmung und die Sensibilität. 

Grundsätzlich ist jedes Kind musikalisch, ob es sich dessen bewusst ist oder nicht, ob es gefördert wird oder nicht. Schon das Wippen eines Einjährigen, sobald Rhythmus und Melodien zu hören sind, beweist: Musik schafft ursprüngliche Gemeinsamkeit. Und sie kann alle Gefühle ausdrücken: Freude, Angst, Hoffnung, Trauer, und Ärger. Da Musik auch immer Stimmungen und Gefühle transportiert, lernen Kinder/Jugendliche diese feinfühlig wahrzunehmen. Durch das Musik Machen und Musik Hören lernen sie zuzuhören. Der praktische Umgang mit Musik entwickelt Wahrnehmungs- und Empfindungsfähigkeit, fördert Kreativität und Erlebnistiefe sowie Genuss- und Gestaltungsfähigkeit, Phantasie und Toleranz.

4. Musik stärkt soziale Kompetenzen. 

Musik hat eine eigene Sprache und ermöglicht es den Menschen, unabhängig von Kultur, Alter und Sprachraum miteinander zu kommunizieren. Nicht umsonst gibt es in der Geschichte kein Volk ohne Musik. Wenn Menschen zusammen Musik machen, entsteht ein “Wir-Gefühl”. Musik stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe. Sie erleben zusammen Freude, Trauer, Glück und andere Gefühle. Man lernt zu kooperieren und zu kommunizieren, ein Austausch findet statt. Musik bietet dem Einzelnen die Möglichkeit sich selber kennen zu lernen und sich im Schutz der Gruppe auszuprobieren. Durch gemeinsames Musizieren gewinnt der Schüler ein Gruppengefühl und lernt, wie man als kleiner Teil eines großen Ganzen etwas bewirken kann, wie zum Beispiel als einzelner Sänger eines Chores oder als Gitarrist einer großen Band. So fühlt sich ein Kind stark.

5. Musik hilft beim Lernen. 

Der Unterricht an einer Musikschule fördert das Kind ganzheitlich und ergänzt den Unterricht der allgemeinbildenden Schulen. Bei der musikalischen Früherziehung mit Vorschulkindern werden Motorik und Sprache gefördert. Welch große Bedeutung diese musikalische Früherziehung nicht nur für die Förderung der Musikalität von Kindern hat, sondern auch zur Unterstützung des Spracherwerbs, der emotionalen Entwicklung etc., wurde erst in den letzten Jahrzehnten von der Musikpädagogik richtig erkannt. Die intellektuelle sowie kreative Entwicklung, das Ausdrucksvermögen und auch das Gedächtnis werden dabei gezielt geschult. Grundschüler, die in kleinen Gruppen Instrumente spielen, haben ein besseres Wortgedächtnis und tun sich somit beim Übertritt an weiterführende Schulen leichter. Musik und Bewegung leistet einen unverzichtbaren Beitrag dazu, den ganzen Menschen zu bilden, weil alle Sinne miteinander kommunizieren, die Konzentrationsfähigkeit gesteigert wird und zudem noch das Selbstbewusstsein und das soziale Verhalten gefördert werden.

6. Musik fördert motorische Fähigkeiten. 

Musik wirkt schon im Mutterleib und trägt nach der Geburt dazu bei, dass die Sinne reifen und die Motorik sich entwickelt. Selbst Musik zu machen gehört wahrscheinlich zu den schwierigsten menschlichen Leistungen. Ein Instrument zu spielen steigert die feinmotorischen Fähigkeiten. Räumlich-zeitliche Präzisionsleistungen werden in der Größenordnung von Millimetern und Millisekunden erbracht. Motorische Steuerungsprogramme gründen sich auf sensorischen Informationen, die die Bewusstseinsschwelle nicht erreichen oder bevor sie die Bewusstseinsschwelle erreichen. Dies gilt für sensorische Informationen im Bereich des Hörens, der Zeitabfolgen (Rhythmus), des Sehens und der räumlichen Informationen. Abweichungen in den Zeitabfolgen der üblichen Informationszufuhr bringen diesen abweichenden Zeitrhythmus zum Bewusstsein.

7. Musik vervollständigt das kirchliche Leben und ehrt Gott. 

Die Bibel zeigt uns Gott, den Vater, nicht als jemand, der die Lieder gähnend über sich ergehen lässt, während er auf die Predigt wartet. Gott liebt Musik und „wohnt unter den Lobgesängen“ seiner Kinder (Ps 22,4). In der Bibel hat sie die Macht, Gefühle anzusprechen, und kann anfeuern (Ps 40,4), in Bewegung bringen (Ps 150,4) oder Ruhe schenken (Ps 62). Sie kann aus dem Sumpf negativer Gedanken und Gefühle herausziehen (Ps 28,7). Sie kann erfreuen (Jak 5,13), ermahnen (Kol 3,16), ermutigen (Ps 21,14) und befreien (1Sam 16; Apg 16,25f.). Schon der Kirchenvater Aurelius Augustinus sagte: „Wer singt, betet doppelt.“ Die Musik wird zu einem Thron für Gott (Ps 22,4), und die zuhörende und musizierende Gemeinde wird mit der Herrlichkeit Gottes erfüllt.